Das
diesjährige Hina Matsuri (Mädchenfest) im Hamburger Völkerkundemuseum
war gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen gab es ein
rundes Jubiläum zu feiern, zum anderen viele gelungene Änderungen und
Programm-Erweiterungen. Vor ein paar Jahren noch, als es kurz nach dem
Mädchenfest noch ein Jungsfest gab (heute leider nicht mehr), drohte das
Mädchenfest einzustauben, wenn nicht gar das Ende, denn es gab mehr
Besucher im Seniorenalter als Kinder und Jugendliche und das Programm
war wenig umfassend und nicht besonders auf junge Besucher abgestellt.
Vor drei Jahren änderte sich dies schlagartig, als die Veranstalter es
schafften, die Veranstaltung für Fans von Anime, Manga und Cosplay zu
öffnen und die Cosplayer das Mädchenfest auch tatsächlich annahmen.
Heute dürfte das Mädchenfest mit in diesem Jahr ca. 1600 Besuchern
wahrscheinlich die am besten besuchte Veranstaltung des
Völkerkundemuseums sein.
Besonders
gelungen war dabei die Mischung aus eher traditionellen Elementen und
modernen Programmteilen. Denn obwohl die Mehrzahl der Besucher wohl
wegen den Programmpunkten rund ums Cosplay kamen, waren die übrigen
Angebote mehr als kurzweilig. Nicht nur glotzen, sondern selber
mitmachen machte den Besuchern viel Spaß.
Und
wer trotzdem nur zuschauen wollte, für den waren ein paar Höhepunkte
geboten, die es sonst nicht zu sehen gibt, unter anderem das deutsche
Frauen(!)-National-Team im Sumo-Ringen, die 2012 Europameisterinnen
wurden. Im Folgenden ein paar Impressionen - es spricht für den Umfang
des Programms, dass man unmöglich alles sehen, geschweige denn Mitmachen
konnte:
Der
Puppenberg, ein besonders wertvolles Geschenk der Freunde Hamburgs in
Japan, wird wie in japanischen Familien zum Festtag aufgestellt.
Kaiserpaar und Hofstaat bieten viele liebevolle Details zum Bewundern
und wurden auch von einer Fachfrau erklärt. Wer mehr aus dem
traditionellen Japan erfahren wollte, hatte auch bei der Erzählung
japanischer Märchen dazu die Gelegenheit.
Die
workshops sorgten nicht nur für Kurzweil und Unterhaltung, sondern
waren auch eine prima Gelegenheit, mit den japanischen KursleiterInnen
ins Gespräch zu kommen.
Wer wollte, konnte sich in japanischer Kalligraphie üben.
Beim Origami galt es seine Fingerfertigkeit unter Beweis zu stellen...
und mit etwas Geschick
konnten die Teilnehmer ein kleines Kunstwerk mit nach Hause nehmen.
Auch bei den traditionen japanischen Spielen ging es um Geschicklichkeit...
und Tempo!
Es
war prima, dass fast alle workshops zentral im gleichen Saal
untergebracht waren, bis auf das Papiertheater zum Mitbasteln, das im
Gewölbesaal phasenweise leider etwas vereinsamte. Taiko durfte natürlich
nicht fehlen - diesmal gab es aber Taiko nicht nur "pur",
sondern auch mit tänzerischer Begleitung, was die Vorführung noch interessanter machte.
Im Anschluß konnten nicht nur Fragen gestellt, sondern freundlicherweise auch mal eine Trommel ausprobiert werden:
Für
die Händler mit traditionellem japanischen Kunsthandwerk oder Manga
waren die Taiko-Konzerte aufgrund der exorbitanten Lautstärke wirklich
eine harte Prüfung - sie ertrugen es aber offensichtlich mit Humor:
Und dein Name sieht auf Japanisch so aus:
Der Höhepunkt für die meisten Teilnehmer war wohl der Cosplay-Wettbewerb.
Und so sehen Sieger aus:
Wer
nicht verkleidet gekommen war, aber Lust bekommen hatte, konnte eine
Yukata samt (schwieriger) "Schleife" bzw. Obi anprobieren:
Daneben
konnten die Teilnehmer einen Sprachkurs speziell für Cosplayer besuchen
oder bei einem Manga-Zeichenkurs mitmachen. Das Konsulat warb fleißig
und freundlich für Japan als Reiseland und der japanische Imbiss war
wirklich lecker!
Ein besonderes Extra zum Jubiläum:
Die
berliner Tanzgruppe "Para Para Connection" führte ihr Stück "Miku in
Musicland" auf, das allerdings nicht so fesselnd gelang wie auf der
letztjährigen Connichi, vor allem der Anfang war etwas langatmig, aber
die Gruppe konnte insgesamt dann doch noch mit einer gelungenen und
später auch abwechslungsreichen Aufführung überzeugen. Ein
faszinierendes Beispiel für japanisch-europäischen Kulturaustausch, wenn
man bedenkt, dass in Japan der Tanzstil Para Para in den 1980er Jahren
aus italienischer Disco-Musik entwickelt wurde!
Nach dem Cosplay-Wettbewerb gab es noch ein für Hamburger Verhältnisse leider eher seltenes Highlight zu erleben:
Eine echte japanische Visual Kei-Band!
Amaranyx
gaben eines von zwei Deutschland-Konzerten auf ihrer Europa-Tournee und
nach den Bandmitgliedern drehten sich die Köpfe nicht nur einmal,
sondern viermal um. Auch wenn der sound am Anfang Probleme bereitete,
wurde es ein klasse Konzert.
Nach
diesem wirklich gelungenen Fest in Zeiten, in denen die Anzahl der
Veranstaltungen mit Japan-Bezug in konstantem Rückgang begriffen ist,
bleibt zu hoffen, dass uns Hamburgern und Japanfans aus der
Metropolregion dieses Highlight auch in Zukunft erhalten bleibt.
DANKE an die Veranstalter und bis zum nächsten Jahr!
Und übrigens: Bei unserem Foto-Wettbewerb zum Hina-Matsuri könnt ihr noch bis zum 29. März für euer Lieblingsfoto stimmen - alle Infos weiter unten auf dieser Seite...
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