Trotz Krise gehen die Verantwortlichen der Universität Köln offenbar von einem steigenden Bedarf an Japanisch-Lehrern aus, was uns wiederum sehr freut, denn wenn möglichst viele junge Menschen die japanische Sprache erlernen, würde das der Deutsch-Japanischen Freundschaft einen enormen Schub verleihen!
Obwohl Hamburg den ersten Studiengang Japanologie in Deutschland anbot, ist es die Universität Köln, die nun als erste deutsche Hochschule den Studiengang Lehramt Japanisch als reguläres Lehramtsfach anbietet. Geplant ist für 2012 ebenfalls eine Juniorprofessur für eine bessere Vermittlung der Sprache. Nach Angaben der Universität sind es vor allem Gymnasien und Gesamtschulen, die vermehrt Japanisch anbieten und hierfür Personal suchen. Im Wintersemester soll es losgehen!
Wer sich hierfür interessiert, wende sich bezüglich der Details bitte zunächst an die unten folgende Internet-Adresse. Hier wird im Grunde genommen alles erklärt: http://japanologie.phil-fak.uni-koeln.de/9277.html
Für weiterführende Rückfragen, die dann noch offen sein sollten, steht sonst Frau Prof. Dr. Franziska Ehmcke unter franziska.ehmcke(at)uni-koeln.de zur Verfügung.
Japan in Hamburg: Dieser Blog gibt nach und nach einen kompakten Überblick über das japanische Leben in Hamburg. Alles Wissenswerte, Sehenswerte und aktuelle Veranstaltungs-Hinweise zum Thema Japan in und um Hamburg.
Donnerstag, 20. Oktober 2011
Kostenlose Hin- und Rückflüge nach Japan?
Japan hat - vielleicht nicht für alle, aber die meisten - Touristen aufgrund der Atomkatastrophe in Fukushima ein Imageproblem im Ausland. Das Schimpfen der japanischen Presse über die hiesige vermeintlich übertriebene oder panische Berichterstattung ändert daran wenig. Greenpeace äußerte sich dieser Tage kritisch über eine mögliche Strahlenbelastung in Tokio ohne sich zu genau festlegen zu wollen und in der japanischen Presse war in den vergangenen Tagen häufiger von "radiation hotspots" in Tokyo (also vereinzelten Stellen mit deutlich erhöhten Strahlenwerten) die Rede. Einerseits wird glaubhaft gemacht, dies habe nichts mit Fukushima zu tun, wie aber z.B. eine alte, vergammelte, dennoch offenbar hochgradig strahlende Flasche in einen bestimmten Tokyoter Stadtteil kommt, wird auch nicht schlüssig erklärt.
Vor diesem Hintergrund soll wenigstens in der Tourismus-Wirtschaft der Super-Gau vermieden werden - der derzeit aus europäischer Sicht teure Yen macht es dabei nicht einfacher. Als Gegenmaßnahme verkündete am Dienstag dieser Woche die japanische Tourismusbehörde neue Pläne, dass an Ausländer 10.000 (in Worten: zehntausend!) Hin- und Rückflug-Tickets vergeben werden sollen, für die Unterbringung während der Zeit in Japan müssten die Reisenden jedoch selbst aufkommen.
Die Agentur kündigte an, eine web site eröffnen zu wollen, auf der Bewerber einige Fragen beantworten müssen, z.B. was sie über den Tourismus in der Zeit "danach" wissen und welches ihre Reiseziele sind. Während oder nach der Reise sollen die Begünstigten in blogs oder anderen social media web sites über ihre Erfahrungen berichten, in der Hoffnung, so mehr Touristen ins Land locken zu können. Nach Ansicht der Behörde wird es wohl Jahre dauern, bis die Tourismus-Wirtschaft den Umsatz der Vorkatastrophen-Zeit wieder erreicht haben wird, ganz zu schweigen vom einstmals ausgegebenem Ziel, pro Jahr 30 Millionen Besucher anzuziehen. Allerdings soll diese Initiative mit rund 1,1 Milliarden Yen aus Steuergeldern im kommenden Jahr auch deshalb finanziert werden, weil sich staatliche Stellen davon eine Steigerung der Inlands-Nachfrage und eine Wiederbelebung örtlicher Wirtschaftsstrukturen versprechen.
Die Idee hinter dieser Aktion entstammt einer Umfrage, die ergab, dass viele mögliche Besucher dem Urteil ihrer Landsleute vertrauen würden - wenn also meine Bekannten das Reisen in Japan für sicher halten, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich mich dieser Ansicht anschließe, so die Umfrage.
TATSÄCHLICH sieht es aber so aus, dass über diese Pläne derzeit noch nicht entschieden ist und frühestens ab April 2012 eine Bewerbung um die Gratisflüge möglich wäre. Die in der deutschen Presse (darunter auch dem Hamburger Abendblatt vom 12. Oktober 2011) verbreitete Darstellung, die Gratisflüge stünden ab April 2012 zur Verfügung, ist FALSCH.
Die japanische Tourismus-Behörde warnt in diesem Zusammenhang vor ersten Betrügern!
(Quelle hier: http://www.mlit.go.jp/kankocho/en/page01_000222.html)
EIN Ziel dürfte die Agentur immerhin erreicht haben: VIEL, VIEL Aufmerksamkeit. Und: Wer auf dem Laufenden gehalten werden will, ob und wann die Gratisflüge kommen, soll sich regelmäßig bei der Facebook-site der Agentur umsehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - in Zeiten von Internet-Marketing 2.0 werden wir uns an derlei "Gratis-Aktionen" wohl gewöhnen müssen...
Vor diesem Hintergrund soll wenigstens in der Tourismus-Wirtschaft der Super-Gau vermieden werden - der derzeit aus europäischer Sicht teure Yen macht es dabei nicht einfacher. Als Gegenmaßnahme verkündete am Dienstag dieser Woche die japanische Tourismusbehörde neue Pläne, dass an Ausländer 10.000 (in Worten: zehntausend!) Hin- und Rückflug-Tickets vergeben werden sollen, für die Unterbringung während der Zeit in Japan müssten die Reisenden jedoch selbst aufkommen.
Die Agentur kündigte an, eine web site eröffnen zu wollen, auf der Bewerber einige Fragen beantworten müssen, z.B. was sie über den Tourismus in der Zeit "danach" wissen und welches ihre Reiseziele sind. Während oder nach der Reise sollen die Begünstigten in blogs oder anderen social media web sites über ihre Erfahrungen berichten, in der Hoffnung, so mehr Touristen ins Land locken zu können. Nach Ansicht der Behörde wird es wohl Jahre dauern, bis die Tourismus-Wirtschaft den Umsatz der Vorkatastrophen-Zeit wieder erreicht haben wird, ganz zu schweigen vom einstmals ausgegebenem Ziel, pro Jahr 30 Millionen Besucher anzuziehen. Allerdings soll diese Initiative mit rund 1,1 Milliarden Yen aus Steuergeldern im kommenden Jahr auch deshalb finanziert werden, weil sich staatliche Stellen davon eine Steigerung der Inlands-Nachfrage und eine Wiederbelebung örtlicher Wirtschaftsstrukturen versprechen.
Die Idee hinter dieser Aktion entstammt einer Umfrage, die ergab, dass viele mögliche Besucher dem Urteil ihrer Landsleute vertrauen würden - wenn also meine Bekannten das Reisen in Japan für sicher halten, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich mich dieser Ansicht anschließe, so die Umfrage.
TATSÄCHLICH sieht es aber so aus, dass über diese Pläne derzeit noch nicht entschieden ist und frühestens ab April 2012 eine Bewerbung um die Gratisflüge möglich wäre. Die in der deutschen Presse (darunter auch dem Hamburger Abendblatt vom 12. Oktober 2011) verbreitete Darstellung, die Gratisflüge stünden ab April 2012 zur Verfügung, ist FALSCH.
Die japanische Tourismus-Behörde warnt in diesem Zusammenhang vor ersten Betrügern!
(Quelle hier: http://www.mlit.go.jp/kankocho/en/page01_000222.html)
EIN Ziel dürfte die Agentur immerhin erreicht haben: VIEL, VIEL Aufmerksamkeit. Und: Wer auf dem Laufenden gehalten werden will, ob und wann die Gratisflüge kommen, soll sich regelmäßig bei der Facebook-site der Agentur umsehen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - in Zeiten von Internet-Marketing 2.0 werden wir uns an derlei "Gratis-Aktionen" wohl gewöhnen müssen...
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Auf zum Japantag in Düsseldorf!
Die Wettervorhersagen sind vielversprechend - japanbegeisterte Hamburger sollten also ruhig den Trip nach Düsseldorf am kommenden Samstag wagen. Dort findet am 15. Oktober ab 12.30 Uhr bis ca. 22 Uhr zwischen Burgplatz und Landtag ein so in Deutschland selten vielfältig zu erlebendes Festival rund um alles Japanische statt.
Dabei dürfte für jeden Geschmack etwas geboten sein - von Konzerten (klassische Instrumente bis J-Pop), Cosplay-Modenschau, Taiko, Straßenfußball mit japanischen Schulen, Theater, Tanzgruppen, Chören, Manga-Wettbewerb, Vorführung verschiedener Kampfkünste, einem Saumurai-Heerlager, J-Pop-Disco und einem grandiosen abschließenden Feuerwerk.
Die Besucher können daneben an einer Vielzahl von Verkaufs- und Informationsständen vorbeiflanieren und viel Japanisches mit nach Hause nehmen - traditionelles Kunsthandwert wie moderne Accessoires sind ebenso erhältlich wie Bücher, "Mangabedarf", touristische Informationen, japanische Farbholzschnitte, Kimonos, Lackkunst und eine Vielzahl von Vereinen von Manga- und Anime bis Kultur- und Wirtschaftsinstitutionen stellen sich vor.
Wer schon einmal in Düsseldorf ist, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen bei freiem Eintritt den buddhistischen Tempel, den Tempelgarten und die Anlagen des EKO-Hauses anzusehen - ein echtes Stück Japan in Deutschland!
Die Japanfreunde Hamburg wünschen gute Reise!
Das gesamte Programm steht unter www.japantag-duesseldorf-nrw.de zum download bereit.
Freitag, 7. Oktober 2011
Japan-Tag beim HarbourFront Literaturfestival
Bereits vor längerer Zeit hatten die Macher des HarbourFront Literaturfestivals die Idee, einen Japan-Tag im Rahmen dieses Festivals zu veranstalten, das bundesweit zu den bedeutendsten Literaturfestivals zählt, obwohl es in diesem Jahr erst zum dritten Mal stattfand. Mit tatkräftiger Unterstützung von japanischer Seite, darunter vor allem seitens des japanischen Generalkonsulats in Hamburg, konnten die Veranstalter einen sehr abwechslungsreichen Tag dem zahlreich erschienenen Publikum bieten, der den Bogen von der Tradition bis zur Gegenwart am Beispiel ganz unterschiedlicher Künste spannte.
Nach Grußworten von Heinz Lehmann für die Festival-Leitung und Generalkonsul Setsuo Kosaka durften dabei die Japanfreunde Hamburg den Auftakt mit einer Lesung der schönsten japanischen Märchen und Samurai-Geschichten machen. Dabei zeigten sich nicht nur erstaunliche Parallelen zwischen deutschen und japanischen Märchen, die Neu-Übersetzung der klassischen Stoffe in die heutige deutsche Gegenwartssprache machte auch deutlich, wie aktuell viele der Märchen auch heute noch sind - vor allem, wenn man sie als Charakterstudien über die menschliche Natur oder als amüsante Parabeln auf die Krisen der Gegenwart zu lesen geneigt ist.
Wer traditionelle Märchen nicht aus heutiger Sicht interpretieren mochte, erfuhr beim Zuhören quasi ganz nebenbei viel über japanische Kultur und wichtige mentalitätsgeschichtliche Einflüsse, beispielsweise ein typisches Beispiel buddhistischen Denkens anhand der Samurai-Geschichte "Das Duell des Schreckens". Ein Mitschnitt dieser Geschichte und ein paar fotografische Eindrücke vom Japan-Tag sind hier zu sehen und zu hören - wenngleich das unaufhörliche geschäftige Treiben in der Hafen-City es unserem Tontechniker nicht ganz leicht gemacht hat:
Im Anschluß daran gab die bekannte Tee-Meisterin Kazuko Chujo eine Einführung in die japanische Teezeremonie. Wie auch bei ihren beliebten Einführungen in die Teezeremonie im Teehaus von Planten un Blomen verwöhnte sie auch diesmal die Gaumen der Anwesenden nicht nur mit erstklassigem Grüntee (dessen richtige Zubereitung - das Schaumigschlagen - tatsächlich eine Wissenschaft für sich ist, damit es auch meisterhaft schmeckt), sondern auch mit einer sehr leckeren, typisch japanischen Süßigkeit.
Vor seinem Konzert in Glinde (siehe vorausgegangenem post) gab hier Shamisen-Spieler und Taiko-Trommler Yoshiyuki Kimura bereits schon einmal eine Kostprobe seines außergewöhnlichen Könnens an den Trommeln. Ein eindrucksvoller musikalischer Leckerbissen, besonders auch für alle, die sich bereits gut mit Taiko auskennen.
Der eigentliche Höhepunkt des Abends sollte jedoch noch folgen. Vorbereitet durch einen Vortrag von Dr. Andreas Regelsberger, der einen einführenden Überblick über die moderne japanische Literatur gab, las die junge Schriftstellerin Risa Wataya aus ihrem Buch "Hinter deiner Tür aus Papier", wobei die deutsche Übersetzung von Annalena Schmidt vorgetragen wurde. Wataya kann in ihrer Heimat auf beeindruckende Erfolge bei Leserschaft und(!) Kritikern zurückblicken, so erhielt sie wie die in diesem Jahr in Hamburg ausführlich geehrte Yoko Tawada ebenfalls den Akutagawa-Literatur-Preis, der auch bei uns mittlerweile sehr bekannt sein dürfte und nach wie vor als einer der drei bedeutendsten, wenn nicht gar als DER bedeutendste japanische Literatur-Preis gelten kann. Im Anschluß an die Lesung hatte das sehr zahlreich erschienene Publikum Gelegenheit, seine eigenen Fragen an die Autorin zu richten.
So ging eine sehr gelungene Veranstaltung zu Ende, die im Unterschied zu vielen anderen Veranstaltungen mit Japan-Bezug in der Hansestadt endlich einmal den Vergleich mit Veranstaltungen in den Hauptstadtmetropolen nicht zu scheuen brauchte.
Nach Grußworten von Heinz Lehmann für die Festival-Leitung und Generalkonsul Setsuo Kosaka durften dabei die Japanfreunde Hamburg den Auftakt mit einer Lesung der schönsten japanischen Märchen und Samurai-Geschichten machen. Dabei zeigten sich nicht nur erstaunliche Parallelen zwischen deutschen und japanischen Märchen, die Neu-Übersetzung der klassischen Stoffe in die heutige deutsche Gegenwartssprache machte auch deutlich, wie aktuell viele der Märchen auch heute noch sind - vor allem, wenn man sie als Charakterstudien über die menschliche Natur oder als amüsante Parabeln auf die Krisen der Gegenwart zu lesen geneigt ist.
Wer traditionelle Märchen nicht aus heutiger Sicht interpretieren mochte, erfuhr beim Zuhören quasi ganz nebenbei viel über japanische Kultur und wichtige mentalitätsgeschichtliche Einflüsse, beispielsweise ein typisches Beispiel buddhistischen Denkens anhand der Samurai-Geschichte "Das Duell des Schreckens". Ein Mitschnitt dieser Geschichte und ein paar fotografische Eindrücke vom Japan-Tag sind hier zu sehen und zu hören - wenngleich das unaufhörliche geschäftige Treiben in der Hafen-City es unserem Tontechniker nicht ganz leicht gemacht hat:
Im Anschluß daran gab die bekannte Tee-Meisterin Kazuko Chujo eine Einführung in die japanische Teezeremonie. Wie auch bei ihren beliebten Einführungen in die Teezeremonie im Teehaus von Planten un Blomen verwöhnte sie auch diesmal die Gaumen der Anwesenden nicht nur mit erstklassigem Grüntee (dessen richtige Zubereitung - das Schaumigschlagen - tatsächlich eine Wissenschaft für sich ist, damit es auch meisterhaft schmeckt), sondern auch mit einer sehr leckeren, typisch japanischen Süßigkeit.
Vor seinem Konzert in Glinde (siehe vorausgegangenem post) gab hier Shamisen-Spieler und Taiko-Trommler Yoshiyuki Kimura bereits schon einmal eine Kostprobe seines außergewöhnlichen Könnens an den Trommeln. Ein eindrucksvoller musikalischer Leckerbissen, besonders auch für alle, die sich bereits gut mit Taiko auskennen.
Der eigentliche Höhepunkt des Abends sollte jedoch noch folgen. Vorbereitet durch einen Vortrag von Dr. Andreas Regelsberger, der einen einführenden Überblick über die moderne japanische Literatur gab, las die junge Schriftstellerin Risa Wataya aus ihrem Buch "Hinter deiner Tür aus Papier", wobei die deutsche Übersetzung von Annalena Schmidt vorgetragen wurde. Wataya kann in ihrer Heimat auf beeindruckende Erfolge bei Leserschaft und(!) Kritikern zurückblicken, so erhielt sie wie die in diesem Jahr in Hamburg ausführlich geehrte Yoko Tawada ebenfalls den Akutagawa-Literatur-Preis, der auch bei uns mittlerweile sehr bekannt sein dürfte und nach wie vor als einer der drei bedeutendsten, wenn nicht gar als DER bedeutendste japanische Literatur-Preis gelten kann. Im Anschluß an die Lesung hatte das sehr zahlreich erschienene Publikum Gelegenheit, seine eigenen Fragen an die Autorin zu richten.
So ging eine sehr gelungene Veranstaltung zu Ende, die im Unterschied zu vielen anderen Veranstaltungen mit Japan-Bezug in der Hansestadt endlich einmal den Vergleich mit Veranstaltungen in den Hauptstadtmetropolen nicht zu scheuen brauchte.
Yoshiyuki Kimura rockt Glinde
Liebhaber traditioneller japanischer Instrumente hatten in diesem Monat dank des großzügigen Engagements des japanischen Generalkonsulats gleich doppelt Gelegenheit, in zwei besonderen Konzerten außergewöhnliche und sonst selten zu hörende Klänge zu vernehmen.
Am 30. September ließ das Ensemble "Koden no kai" aus unserer Partnerstadt Osaka im wunderschönen Spiegelsaal des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe die abwesenden Figuren des Bunraku-Figurentheaters lebendig werden. Mit Hilfe der Stimme des "Erzählers", der die ganze Bandbreite der menschlichen Stimme von Rezitation bis Gesang in allen Klangfarben und Intonationen ausschöpfte und dank der gleichwertigen, aber dennoch unaufdringlichen Ergänzung durch die Shamisen wurden die klanglich dargestellten Figuren des Bunraku mit ihren Charakteren und Gefühlen präsent.
Bereits zuvor am 20. September hatten die Besucher des Glinder Asienforums Gelegenheit, ein ganz außergewöhnliches Konzert zu erleben. Yoshiyuki Kimura spielte im ersten Teil des Konzerts die Shamisen und danach im zweiten Teil ein Ensemble von Taiko-Trommeln. Er überraschte sein Publikum immer wieder durch die enorme Dynamik seiner Darbietungen, aber auch durch seine Vielseitigkeit. So vermochte er einerseits einen aufschlußreichen Eindruck traditioneller Stücke zu vermitteln, spielte auf beiden Instrumenten aber auch neue Stücke und eigene Kompositionen.
Immer wieder erläuterte er, übersetzt von Kulturkonsul Yakabe, das Geschehen auf der Bühne und erklärte sowohl die von ihm während des Shamisen-Spiels getragene traditionelle Kleidung als auch viel Wissenswertes über die von ihm gespielten Instrumente, die musikalische Tradition und die vorgetragenen Stücke. Seine gezielte Verbindung von Tradition und Gegenwart fand so nicht nur in der Auswahl seiner Stücke Ausdruck, sondern die Zuschauer hatten im zweiten Teil ungewöhnlicherweise Gelegenheit, einen Taiko-Trommler im neuesten Designer-outfit zu erleben.
Eine ganz einmalige persönliche Note erhielt das Konzert durch die Tatsache, dass Kimura mit einem erstmals öffentlich dargebotenen, eigenen Taiko-Stück von den Trommeln Abschied nahm, die er als zehnjähriger Junge von seinem Vater als Geschenk erhalten hatte. Der Künstler hatte in Hamburg zuvor einen workshop gegeben und sich daraufhin entschlossen, seine Trommeln, die ihn seit seiner Kindheit ein ständiger Begleiter waren, der Hamburger Taiko-Gruppe zu schenken(!), die er bei dem workshop unterrichtet hatte.
In dem anschließenden Abschieds-Stück ließ er der ganzen Bandbreite seines Könnens und seinen Emotionen freien Lauf. Angesteckt von so viel Gefühl und Ausdruckskraft nahm das Publikum im Anschluß daran nur zu gerne die Einladung an, den Künstler bei seinem letzten Stück des Abends akustisch zu begleiten. Das Publikum zeigte sich nicht nur beeindruckt, sondern auch sehr dankbar für diesen außergewöhnlichen Abend und dankte es Kimura mit standing ovations. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass das Konzert dank der Großzügigkeit des japanischen Generalkonsulats keinen Eintritt kostete(!) - kaum zu glauben angesichts eines solch außergewöhnlichen Konzert-Abends, der dem Publikum sicherlich noch lange in erfreulicher Erinnerung bleiben wird - denn wann wurde eine Halle zuvor schon einmal von einer Shamisen gerockt?
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| Ensemble Koden no kai |
Bereits zuvor am 20. September hatten die Besucher des Glinder Asienforums Gelegenheit, ein ganz außergewöhnliches Konzert zu erleben. Yoshiyuki Kimura spielte im ersten Teil des Konzerts die Shamisen und danach im zweiten Teil ein Ensemble von Taiko-Trommeln. Er überraschte sein Publikum immer wieder durch die enorme Dynamik seiner Darbietungen, aber auch durch seine Vielseitigkeit. So vermochte er einerseits einen aufschlußreichen Eindruck traditioneller Stücke zu vermitteln, spielte auf beiden Instrumenten aber auch neue Stücke und eigene Kompositionen.
Immer wieder erläuterte er, übersetzt von Kulturkonsul Yakabe, das Geschehen auf der Bühne und erklärte sowohl die von ihm während des Shamisen-Spiels getragene traditionelle Kleidung als auch viel Wissenswertes über die von ihm gespielten Instrumente, die musikalische Tradition und die vorgetragenen Stücke. Seine gezielte Verbindung von Tradition und Gegenwart fand so nicht nur in der Auswahl seiner Stücke Ausdruck, sondern die Zuschauer hatten im zweiten Teil ungewöhnlicherweise Gelegenheit, einen Taiko-Trommler im neuesten Designer-outfit zu erleben.
Eine ganz einmalige persönliche Note erhielt das Konzert durch die Tatsache, dass Kimura mit einem erstmals öffentlich dargebotenen, eigenen Taiko-Stück von den Trommeln Abschied nahm, die er als zehnjähriger Junge von seinem Vater als Geschenk erhalten hatte. Der Künstler hatte in Hamburg zuvor einen workshop gegeben und sich daraufhin entschlossen, seine Trommeln, die ihn seit seiner Kindheit ein ständiger Begleiter waren, der Hamburger Taiko-Gruppe zu schenken(!), die er bei dem workshop unterrichtet hatte.
In dem anschließenden Abschieds-Stück ließ er der ganzen Bandbreite seines Könnens und seinen Emotionen freien Lauf. Angesteckt von so viel Gefühl und Ausdruckskraft nahm das Publikum im Anschluß daran nur zu gerne die Einladung an, den Künstler bei seinem letzten Stück des Abends akustisch zu begleiten. Das Publikum zeigte sich nicht nur beeindruckt, sondern auch sehr dankbar für diesen außergewöhnlichen Abend und dankte es Kimura mit standing ovations. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, dass das Konzert dank der Großzügigkeit des japanischen Generalkonsulats keinen Eintritt kostete(!) - kaum zu glauben angesichts eines solch außergewöhnlichen Konzert-Abends, der dem Publikum sicherlich noch lange in erfreulicher Erinnerung bleiben wird - denn wann wurde eine Halle zuvor schon einmal von einer Shamisen gerockt?
Wo ist die Kirschblütenprinzessin?
Alle zwei Jahre hat Hamburg die Ehre als eine von drei Städten weltweit auch außerhalb Japans eine "offizielle" Kirschblütenprinzessin zu wählen. Es geht dabei vor allem um die Außendarstellung Hamburgs gegenüber der Wirtschaft, der japanischen Politik, aber auch um Völkerfreundschaft. Die jüngste "Ehemalige", die 26. Kirschblütenprinzessin Annika Schulze, deren Amtszeit vor kurzem zu Ende ging, hat auf gelungene Weise gezeigt, was sich aus diesem Ehrenamt alles machen lässt - nicht nur aufgrund ihres persönlichen Charmes und ihrer Eloquenz, sondern vor allem auch aufgrund ihrer als junge Architektin vielseitigen kulturellen Interessen.
Am 24. September nun wurde offenbar eine neue Kirschblütenprinzessin gewählt. So erging zumindest eine Einladung an Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Hamburg und auch auf dem Terminkalender des japanischen Generalkonsulats tauchte eine kurze Erwähnung der Wahl auf. Im Hamburger Abendblatt fand sich bereits im April 2011 eine leicht zu übersehende kurze Notiz von wenigen Zeilen, die Bewerberinnen dazu aufforderte, sich zu melden.
Bedenkt man, dass sich zahlreiche japanische Zeitungen über die Panik mokierten, mit der Europäer scharenweise das Land aufgrund der Atomkraftwerks-Katastrophe in Fukushima verließen und berücksichtigt man die Tatsache, dass der Austausch von Studenten von deutscher Seite soweit bekannt vollständig abgesagt wurde und erst jüngst in der japanischen Presse mit Unverständnis darüber berichtet wurde, dass die deutsche Botschaft in Tokyo anscheinend zehn freie Stellen derzeit nicht besetzen kann, weil sich keine Bewerber finden, dann kann man erahnen, dass es wohl keine leichte Aufgabe war, in diesem Jahr eine geeignete und gewillte Kandidatin zu finden.
Denken wir an die Wahl der 26. Kirschblütenprinzessin vor zwei Jahren zurück, so gelang es damals den Veranstaltern über die lokale Presse und einen kurzen Bericht im lokalen Fernsehen einen beachtlichen Teil der Hamburger Öffentlichkeit zu erreichen und so nicht nur das deutsch-japanische Leben in Hamburg bekannter zu machen, sondern auch eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Kandidatinnen zu werben. In diesem Jahr findet sich dagegen eine kaum zu fassende Funkstille - wer sich derzeit auf der web site der Deutsch-Japanischen Gesellschaft umsieht, der findet dort weder einen Hinweis auf die Wahl am 24. September noch in den zwei Wochen danach einen Bericht über die Wahl zur neuen, 27. Kirschblütenprinzessin. Auch die Verlautbarungen des japanischen Generalkonsulats weisen hier keinerlei Informationen auf, selbst eine Internet-Recherche verläuft dieser Tage vollkommen ergebnislos - obwohl doch der "große Bruder" aus Amerika sonst alles mit seiner digitalen Brille sieht... Auf Nachfrage beim japanischen Generalkonsulat war immerhin der Name der neuen Kirschblütenprinzessin zu erfahren - Marina Reinhardt - weiteres ist aber bis dato nicht bekannt. Dem Vernehmen nach fand die Wahl in einer sonst für Senatsempfänge reservierten Räumlichkeit des Hamburger Rathauses statt - sicherlich kein Rahmen, der zu häßlich zum Fotografieren wäre oder für den sich die Veranstalter schämen müssten.
Während frühere Kirschblütenprinzessinnen nicht nur Japan bereisten, um Hamburg zu "promoten", sondern ihr Amt auch nach Kräften dafür nutzten, um im Gegenzug ebenso für die Beliebtheit Japans in Hamburg zu werben (man denke an die zahlreichen, mitreißenden Vorträge der ehemaligen Kirschblütenprinzessin Annika Schulze in der Handelskammer, der Universität, vor dem Glinder Asienforum oder ihre Auftritte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein), so wird jetzt das Amt der Kirschblütenprinzessin scheinbar zu einer Veranstaltung, die mit der Öffentlichkeit nichts mehr zu tun hat.
Das ist sehr schade, denn im Vergleich zu Düsseldorf und Berlin hat das Hamburger Deutsch-Japanische Leben nur wenige Events (so wie jüngst der Japan-Tag des HarbourFront Literaturfestivals) und Institutionen zu bieten, die bundesweite Geltung beanspruchen können. Und im Vergleich zu diesen befreundeten, aber auch konkurrierenden Metropolen kann es sich Hamburg eigentlich nicht leisten, auf einen solch attraktiven "Joker" zu verzichten.
Mal schauen, ob und wann sich das Geheimnis um die "Neue" lüftet... es bleibt spannend!
Mittwoch, 7. September 2011
Japanfreunde Hamburg bei der Berliner Japanwoche
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| Der japanische Komponist und Gagaku-Musiker Naoyuki Manabe im Gespräch mit einer Zuhörin. Bild: Bärbel Becker |
Auf Einladung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Berlin hatten die Japanfreunde Hamburg am 27. August Gelegenheit, bei der Japanwoche der DJG-Berlin mit einer Lesung der schönsten japanischen Märchen und Samurai-Geschichten teilzunehmen. Zu sehen war im wunderschönen Wrangelschlößchen in Berlin-Steglitz während der Japanwoche eine Ausstellung von Mitgliedern der Gesellschaft mit Malerei, Graphiken, Keramik-Objekten und Ikebana auf hohem Niveau. Dazu wurde vor allem den jüngeren Besuchern ein Manga-Workshop geboten. Im Rahmenprogramm gab es am ersten Samstagabend der Japanwoche die Gelegenheit, neben den japanischen Märchen und Samurai-Geschichten ein sehr seltenes traditionelles japanisches Instrument - Sho - kennen zu lernen.
Sonderkulturbotschafter, Gagaku-Musiker und Komponist Naoyuki Manabe ist nicht nur ein Virtuose des Instruments, sondern komponiert auch eigene, zeitgenössische Musikstücke für diese aus vielen Bambusröhren gefertigte, nahezu kreisrunde "Mundorgel". Manabe spielte zunächst ein traditionelles Stück, um den Zuhörern zu verdeutlichen, wie sich das Instrument einst am japanischen Kaiserhof anhörte. Danach stellte er interessanter- wie passenderweise ein Stück eines deutschen(!) Komponisten vor, das in unserer Gegenwart für die Sho geschrieben wurde. Zum Abschluss stellte er eine seiner eigenen Kompositionen vor:
Auch wenn das Stück für das Publikum mitunter keine "leichte Kost" darstellte, beeindruckte die Komposition mit ihren ausgefeilten Verweisen auf zeitgenössische Musik aus den unterschiedlichsten Genres - von Jazz bis zu zeitgenössischen Komponisten der "E-Musik". Dabei vermochte Manabe auf ungewöhnliche Weise nicht nur Tradition und Moderne, sondern auch europäische und asiatische musikalische Strukturen aus unterschiedlichen Epochen zu einem eigenständigen Werk zu verbinden. Dabei lotete er gezielt die Grenzen dessen aus, was sein Instrument klanglich zu leisten vermag - manchmal vermeinte das Ohr erstaunlicherweise ein oder mehrere andere Instrumente gleichzeitig zu hören, am Schluß gar einem gewaltigen, mitunter sogar brutalen akkustischem Feuerwerk beizuwohnen.
In jedem Fall war es eine besondere Gelegenheit für Musikfreunde, sehr seltene, für europäische Ohren in der Regel ungewöhnliche und spannende Musik live zu hören. Der international vielfach ausgezeichnete Komponist und Musiker wird noch für ungefähr ein Jahr als Stipendiat in Deutschland zu Gast sein und vielleicht wird es ja auch für das Hamburger Publikum eine Gelegenheit geben, diesen Meister der Sho einmal hautnah zu erleben.
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